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Netzreserve treibt Netzentgelte – Versorgungssicherheit hat ihren Preis
Viele fragen sich: Was passiert eigentlich, wenn einmal mehr Strom benötigt wird, als im Moment am Markt erzeugt wird? Droht dann ein Stromausfall oder sogar ein Blackout? Die gute Nachricht: Nein, in solchen Situationen springt eine Art Sicherheitsnetz ein – die sogenannte Netzreserve. Sie sorgt dafür, dass die Stromversorgung auch dann stabil bleibt, wenn die marktaktiven Kraftwerke kurzfristig nicht ausreichen.
Was ist die Netzreserve – und warum brauchen wir sie?
Die Netzreserve besteht aus Kraftwerken, die nicht am normalen Strommarkt teilnehmen. Sie liefern also nicht regelmäßig Strom, sondern werden nur auf Anforderung aktiviert – etwa bei Versorgungsengpässen oder Netzengpässen. Im Unterschied zu marktaktiven Kraftwerken (wie z. B. Windrädern, Solaranlagen oder Gaskraftwerken) stehen diese Reservekraftwerke ausschließlich zur Verfügung, um das Netz stabil zu halten. Die Reserve ist notwendig, weil unser Stromnetz sehr sensibel ist: Angebot und Nachfrage müssen jederzeit exakt im Gleichgewicht sein. Besonders in Phasen mit starkem Wind im Norden, aber hoher Nachfrage im Süden Deutschlands, kann es zu Engpässen im Stromtransport kommen. Dann greifen die Netzbetreiber auf die Netzreserve zurück, um Ausgleich zu schaffen. Auch kurzfristige Ausfälle oder Schwankungen können so abgefedert werden. Die Netzreserve ist also ein zentraler Baustein für die Versorgungssicherheit – besonders in Zeiten der Energiewende, in denen viele konventionelle Kraftwerke vom Netz gehen.
Wie sieht die Prognose für den Winter 2025/26 aus?
Ein genauer Blick auf den deutschen Kraftwerkspark zeigt, wie stark die verfügbare konventionelle Erzeugungsleistung zwischen Nord- und Süddeutschland variiert (Vgl. Tabelle 1). Die folgende Übersicht verdeutlicht, dass ein erheblicher Anteil der Kraftwerksleistung im Norden liegt – während im Süden, wo viel Strom verbraucht wird, deutlich weniger Kraftwerksleistung zur Verfügung steht. Diese geografische Schieflage ist ein zentraler Grund für die anhaltende Bedeutung der Netzreserve und umfangreicher Redispatch-Maßnahmen.
Für den kommenden Winter (Oktober 2025 bis März 2026) hat die Bundesnetzagentur einen Netzreservebedarf von 6.493 Megawatt festgestellt. Das sind rund 7 % weniger als im Vorjahr – ein erster Erfolg, der unter anderem auf Fortschritte beim Netzausbau zurückzuführen ist.
Etwa 5.149 MW sollen aus inländischen Reservekraftwerken bereitgestellt werden, rund 1.344 MW aus dem Ausland. Auch der sogenannte Redispatch-Bedarf – also Eingriffe der Netzbetreiber, um Stromflüsse gezielt umzuleiten – wird für diesen Winter mit 17 Terawattstunden deutlich geringer eingeschätzt als im Vorjahr. Damals lag er noch bei rund 25 TWh. Diese Entwicklung zeigt, dass Maßnahmen wie der Netzausbau Wirkung zeigen – doch die Netzreserve bleibt weiterhin notwendig.
Tabelle 1: Kraftwerkspark Deutschland im Winter 2025/2026
| Kraftwerkstyp | Im Norden (MW) | Im Süden (MW) | Gesamt (MW) |
| Steinkohle | 5.480 | 3.714 | 9.194 |
| Erdgas | 18.739 | 8.517 | 27.256 |
| Braunkohle | 14.707 | 0 | 14.707 |
| Pumpspeicher & Speicherwasser | 3.934 | 6.594 | 10.528 |
| Sonstige | 205 | 175 | 380 |
| Kuppelgas | 1.941 | 85 | 2.026 |
| Mineralölprodukte | 1.492 | 356 | 1.848 |
| Abfall | 1.339 | 651 | 1.990 |
| Summe marktaktive Kraftwerke | 47.837 | 20.092 | 67.929 |
Welche Auswirkungen hat die Netzreserve auf die Stromkosten?
Die Netzreserve hat einen direkten Einfluss auf die Zusammensetzung des Strompreises: Konkreter, auf die sogenannten Netzentgelte. Das sind Gebühren, die Stromkunden dafür zahlen, dass der Strom durch die Leitungen transportiert und das Netz betrieben wird. Die Kosten für die Bereitstellung und den Betrieb der Netzreserve – etwa für Wartung, Vorhaltung und Aktivierung – werden über diese Netzentgelte finanziert. Das heißt: Wenn der Bedarf an Netzreserve steigt, steigen in der Regel auch die Netzentgelte – und damit der Strompreis, den Verbraucher zahlen müssen. Besonders in Zeiten mit hoher Unsicherheit oder stockendem Netzausbau können diese Kosten merklich zunehmen. Nach Angaben des Übertragungsnetzbetreibers Amprion machen die Kosten für Redispatch, Einspeisemanagement & Reservekosten etwa ein Drittel der Netzentgelte aus, was etwa einem Anteil von 6-9 % der Energiebezugskosten entspricht. Laut einer aktuellen Studie der Initiative Offene Energieplattform könnten die Kosten in Zukunft noch deutlich steigen, wenn der Einsatz der Netzreserve ausgeweitet wird. Grund ist die fortschreitende Stilllegung konventioneller Kraftwerke in Kombination mit dem verzögerten Ausbau der Stromnetze – insbesondere der Nord-Süd-Trassen. Die Studie warnt: Ohne Gegenmaßnahmen droht der Netzreserveeinsatz zu einem weiteren Preistreiber für Strom zu werden. Die Netzreserve ist damit nicht nur ein sicherheitsrelevantes, sondern auch ein preistreibendes Element im deutschen Stromsystem.
Wir prüfen gerne für Sie, ob und wie sich Ihre Netzentgelte senken lassen.
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