Energieeffizienz, Energiemärkte, Fördermittel, Gesetzgebung
Terminmarktstruktur Strom: Auffällige Preisdifferenzen zwischen den Lieferjahren
Aufbauend auf die im April beschriebenen geopolitischen Spannungen zeigt sich aktuell eine markante Preisstruktur am Terminmarkt der EEX: Das Lieferjahr Cal-27 notiert weiterhin deutlich über den Folgejahren Cal-28 bis Cal-31. Diese Struktur ist insbesondere vor dem Zusammenspiel aus kurzfristigen Risikoprämien und strukturell veränderter Nachfrage zu interpretieren.
Während das Frontjahr Cal-27 nach wie vor stark durch geopolitische Risiken geprägt ist, zeigt sich bei den späteren Lieferjahren eine weiterhin entspannte Situation. Das Lieferjahr Cal-28, welches sich zwischen Anfang März und Mitte April noch relativ unbeeindruckt von den geopolitischen Entwicklungen gezeigt hat, reagiert in den letzten Tagen zunehmend auf die aktuelle Situation. Für die Jahre Cal-29 bis Cal-31 positionieren sich für Marktteilnehmer aktuell zurückhaltender, da mittelfristig mit einer strukturellen Entspannung gerechnet wird.
Das Preisniveau für Cal-27 bleibt durch die weiterhin angespannte geopolitische Lage auf erhöhtem Niveau. Im Kontext des Iran-Konflikts kommt der Straße von Hormus als zentraler Energietransportroute eine Schlüsselrolle zu. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass die Lage dort weiterhin hoch fragil ist: Die Meerenge ist zeitweise blockiert oder nur eingeschränkt passierbar, wodurch erhebliche Risiken für den globalen Öl- und LNG-Transport bestehen. Gleichzeitig deuten militärische Einschätzungen darauf hin, dass selbst nach einer Deeskalation die vollständige Wiederherstellung der Sicherheit – etwa durch Minenräumungen – Monate in Anspruch nehmen kann.
Vor diesem Hintergrund ist kurzfristig nicht mit einer deutlichen Entspannung der Risikoprämien im Lieferjahr Cal-27 zu rechnen. Vielmehr spricht die aktuelle Nachrichtenlage dafür, dass das Preisniveau vor allem für Cal-27, aber auch für Cal-28 im weiteren Jahresverlauf stabil bleiben oder sogar erneut unter Aufwärtsdruck geraten könnte. Die strukturell niedrigeren Preise ab Cal-29 reflektieren hingegen eher langfristige Markterwartungen als kurzfristige Fundamentaldaten.
Handlungsempfehlung für die Beschaffung:
Für das Lieferjahr Cal-27 ist aufgrund der anhaltenden geopolitischen Risiken und der begrenzten kurzfristigen Entspannungsperspektive weiterhin mit einem erhöhten Preisniveau zu rechnen. Auch das Cal-28 reagiert zunehmend auf die aktuellen Entwicklungen. Eine rein abwartende Haltung birgt hier das Risiko weiterer Preissteigerungen.
Für die Folgejahre Cal-29 bis Cal-31 bieten die aktuell niedrigeren Preisniveaus – auch bedingt durch die schwächere Nachfrageerwartung – attraktive Absicherungs-möglichkeiten. Eine frühzeitige Positionierung kann sinnvoll sein, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich die derzeitigen geopolitischen Risiken perspektivisch auch auf diese Lieferjahre ausweiten.
Insgesamt unterstreicht die aktuelle Marktsituation die Bedeutung eines aktiven und strukturierten Beschaffungsansatzes. Die Kombination aus kurzfristig stabil hohen Preisen (2027) und mittelfristig gedämpften Preisniveaus (ab 2029) eröffnet Chancen durch eine langfristige Absicherung sowie Diversifikation der Beschaffungsstrategie.